Wochenimpuls

Die Wallfahrt beginnt... an der Krippe

Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de 
  Schwestern und Brüder,

Der Weg ist das Ziel, sagt das Sprichwort, und doch weiß jeder von uns, dass es nicht stimmt. Der Weg ist der Weg und das Ziel ist das Ziel. Schon in der Apostelgeschichte werden die ersten Christen die „Anhänger des neuen Weges" genannt (vgl. Apg 9,2): Gemeint ist der Weg mit Christus. Mit ihm, dem göttlichen Pilger, ist der Glaube ein Pilgerweg Gott entgegen. Gott selbst ist das Ziel: Der Ort, wo der Tod nicht mehr ist: Кeine Trauer, keine Klage, keine Mühsal" (Offb 21, 4). Zwischen der Fülle der Zeit und dem Ende der Zeit ist die Kirche der große Glaubensstrom, der der Ewigkeit entgegenfließt: „Solange wir leben, ist Gott bei uns. Sind wir tot, sind wir bei ihm, sagt die heilige Theresia von Lisieux. Diese Wallfahrt Gott entgegen beginnt an der Krippe von Bethlehem: Als Kind in der Krippe beginnt Gottes Sohn seinen Lebensweg auf Erden. Wer an die Krippe tritt, spürt: Der nicht sichtbare, ferne Gott ist sichtbar auf Erden erschienen. Er liegt vor uns: Seine ausgestreckten Arme und seine offenen Hände, sein Blick gelten mir, der ich an seiner Krippe stehe. Gott ist wirklich angekommen. In dieses Geheimnis der Krippe hineinzuwachsen, ist unsere Aufgabe in der Weihnachtszeit.

Der Pilgerweg ist nicht die Kurzstrecke, bei der es auf Schnelligkeit, Abkürzungen und Geschicklichkeit ankommt, sondern die Langstrecke: Wir brauchen langen Atem, Umkehr, Gebet, Kirche, Liturgie, Sakramente: Eine einzige heilige Hostie neben Millionen Hostien auf der Welt reiche aus, um sich von Gott zu ernähren, sagt Chiara Lubich. Neben den breiten, sicheren Wegen gibt es auch die schmalen, gefährlichen Wege, das trostlose Tal, die Nebellandschaft, in der wir die Abwesenheit Gottes spüren und das Ziel aus den Augen verlieren. Es ist die Nacht der Seele, in der wir mit Jesaja fragen: „Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?" (Jes 21,11) Wer diese Nacht der Seele annimmt und sie mit Christus, dem Dreifaltigkeitspilger, durchlebt, wächst in das Geheimnis des Kreuzes hinein und erfährt wie Paulus: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark." (2 Kor 12,10).

Eine weitere Pilgererfahrung kommt hinzu: Auch wenn es an Weihnachten anders scheint und die vollen Weihnachtskirchen einen anderen Eindruck erwecken, wird die Wallfahrt doch kleiner; die Pilgerwege sind entvölkert. Ein Leben ohne Gott hat sich schleichend selbstverständlich breitgemacht. Wir sind bereits eine Minderheit, und wir werden es noch mehr. Wir sind schon die Ausnahme, nicht mehr die Regel. Wer die tiefe geistliche Krise unserer Zeit annimmt und sie mit Christus tief durchlebt, wächst in das Geheimnis der Berufung tiefer hinein: „Wollt auch ihr weggehen?" (Joh 6,67), fragte Jesus damals die Zwölf und heute uns. Antworten wir heute wie Petrus damals: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." (Joh 6,68)?

Wer Amen sagt, gibt seine Unterschrift," sagt der heilige Augustinus. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit Ich glaube" und es endet mit „Amen." Wir unterschreiben den Glauben mit unserem Taufnamen täglich neu. Wir sind „Märtyrer": „Zeugen." Keine Blutzeugen, wohl aber geistliche Zeugen. Christus braucht unser Zeugnis. Kurzfristig sind uns die Erfolge versagt, langfristig vielleicht nicht. Unser Zeugnis wirkt nach und braucht jeden Tag unser „Adsum": „Hier bin ich. Ich bin bereit." Am Ende der Wallfahrt ist Gott selbst unser Erbe. So versichert es uns der heilige Augustinus: „Der Lohn der Christen ist es, den einst schauen zu dürfen, an den sie jetzt glauben." Dieser Ewigkeitsweg beginnt an der Krippe von Bethlehem.

Von daher: Gehen Sie bitte hin: Zur Krippe! Sie könnten sonst was verpassen...

Ihnen allen noch einen guten Advent und dann eine gesegnete Weihnachtszeit

Christoph Bittern, Pastor