Wochenimpuls

Dreifaltigkeit?

Foto: Martin Manigatterer In: Pfarrbriefservice
Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit. Ein Gott, ein „Wesen" in drei „Personen".
Puh… Da komme ich schnell an meine Grenzen.
In der Bibel gibt es keine Erklärung, keine Theologie der Dreifaltigkeit. Auch nach meinem Studium, nach Gesprächen mit klugen Menschen, nach dem Lesen mancher Artikel in Büchern, im Internet: Verstehen kann ich das nicht.

Was ich aber verstehe: in der festen Überzeugung, dass der Gott, an den sie glauben, ein einziger ist, hatten schon die ersten Christen das Empfinden, dass Vater, Sohn und Geist nicht voneinander zu trennen sind:
Im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (zwischen 53 und 55 n. Chr.) setzt Paulus alle drei gleichwertig nebeneinander, so, wie wir es letzte Woche in der Lesung gehört haben: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen."
Und am Ende des 2. Korintherbriefs (vermutlich um das Jahr 55) gibt es einen feierlichen Segen: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!"
Nicht zuletzt wird im Matthäusevangelium vom Auftrag Jesu an seine Jünger erzählt: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

In der Mathematik wird aus 1+1+1 drei. Für Gott ist 1+1+1 immer noch 1. Denn Gemeinschaft ist Gottes ureigenstes Wesen. Er ist in sich schon Beziehung, und zwar in der besonderen Form der Liebe. Und wahre Liebe will Nähe, Verbundenheit. Keine Trennung mehr in ich und du, sondern im letzten Einheit unter Beibehaltung der je eigenen Persönlichkeit. In diese Einheit will Gott uns nur zu gern mit hinein nehmen. Darum hat er uns zu Jesus erkennen lassen, wie er ist. Darum hat er uns seinen Geist geschenkt, damit wir ihn ganz persönlich spüren und erfahren.

Immer noch irgendwie fremd? Hmm…
Ohne Sie und mich vertrösten zu wollen: Rainer Maria Rilke hat einmal einem Freund geschrieben „Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein."
Ich selbst bin ein großer Fan davon, Dinge zu verstehen. Doch manches erschließt sich (leider?) wirklich erst im Laufe der Zeit. Deswegen lerne ich seit einigen Jahren, zusammen mit Gott über meine manchmal bemühten Verstehensversuche zu schmunzeln. Und zum Glück ist seine Liebe zu mir gänzlich unabhängig von meinem Verstehen oder Nichtverstehen. Meine Liebe zu ihm hat daran manchmal zu knacken, aber einige offene Fragen hält unsere Beziehung schon aus.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Claudia Fischer, Gemeindereferentin