Wochenimpuls

Was ist das Wichtigste?

Foto: Pfarrbriefservice
Gehören Sie auch zu den Menschen, die bei Glückwünschen sagen „Gesundheit ist das Wichtigste"? Ich bin da schon lange sehr skeptisch. Je nachdem, welche Nachrichten ich höre oder was ich gerade selbst erlebe, denke ich: Vielleicht ist Frieden das Wichtigste. Und wir merken es gerade nur nicht, weil wir uns so daran gewöhnt haben, in Frieden zu leben. Vielleicht ist aber auch Gerechtigkeit das Wichtigste? Oder Freiheit? Oder verstanden werden? Schon länger denke ich: lieben können und geliebt zu sein ist das Wichtigste – auch etwas, von dem die Menschen mir dann sagen: Ach so. Ja, aber das setze ich doch voraus.
Hmm…
Diese Woche denke ich: Vielleicht ist vertrauen können das Wichtigste. Denn diese Woche bin ich einem Mädchen begegnet, das mitten in der Pubertät ist und so stark an Magersucht leidet, dass es jetzt zum wiederholten Mal für eine lange Zeit in eine Klinik muss, damit es überhaupt noch eine Lebenschance hat. Dieses Mädchen hat null Vertrauen in sich selbst, dass sie gut ist, so wie sie ist. Kein Vertrauen, dass ihre Familie das ernst meint, wenn sie es sagt. Außerdem habe ich ein Kind erlebt, dass sich derart auffällig verhält, dass alle anderen Kinder es meiden. Es hat Eltern, die selbst ihr ganzes Leben immer wieder erfahren haben, dass sie besser niemandem vertrauen und dass auch ihnen keiner vertraut. Wie also sollen sie ihrem Kind etwas anderes weitergeben?

Warum ich das alles schreibe? Weil ich glaube, dass wir Christen die Aufgabe haben, Menschen zu sein, denen man vertrauen kann, auf die man sich verlassen kann. Ja, wir haben unsere Schwächen und Grenzen wie jeder andere auch. Das zu leugnen wäre albern. Aber der Prophet Jeremia weist deutlich darauf hin, dass wir eine unerschöpfliche Quelle des Vertrauens haben. „Gesegnet der Mensch, der auf den Herrn vertraut und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Unablässig bringt er seine Frucht."

Unterstützen wir uns gegenseitig dabei, Menschen zu sein, denen man vertrauen, auf die man sich verlassen kann. Helfen wir einander, unser Leben nicht von Angst und Misstrauen prägen zu lassen, sondern von Zuversicht und Vertrauen. Nicht blind. Doch in der Überzeugung, dass Gottes Geist uns erkennen hilft, wo wir vorsichtig sein sollten, nicht misstrauisch. Dass er uns mutig und hoffnungsstark machen will. Und kann. Und dass wir mit jemandem durchs Leben gehen, der grenzenloses Vertrauen in uns hat. Immer wieder. Trotz aller Gegenbeweise. Weil er uns wirklich kennt, besser als wir uns selbst.

Vielleicht ist das Wichtigste Vertrauen. In Gott, in die Welt und in mich.

Eine "vertrauensreiche" Woche wünscht Ihnen

Claudia Fischer, Gemeindereferentin