Wochenimpuls

Brauchen wir Jesus Christus?

Ulrich Henn, Image Im heutigen Sonntagsevangelium begegnen wir dem Hauptmann von Kafarnaum. Er ist Angehöriger der römischen Besatzungsmacht. Und er ist Heide. Damit ist die Distanz, die zwischen ihm und der jüdischen Bevölkerung besteht, klar umschrieben. Sein Verhalten allerdings überwindet Gräben und lässt nachdenklich werden.

Zum einen beweist er eine große menschliche Nähe und Güte. Das Schicksal des ihm untergebenen Dieners ist ihm nicht gleichgültig. In der Not einer tödlichen Krankheit bemüht er sich um Abhilfe. Außerdem wird betont, dass er der Bevölkerung durch den Bau der Synagoge zugetan ist.

Zum anderen wird ihm, dem Fremden, dem Heiden, von Jesus ein vorbildlicher Glaube bescheinigt. Seine Ehrfurcht lässt ihn nicht selbst an Jesus herantreten. Er wendet sich durch Freunde an ihn mit der Bitte, die zugleich Glaubensüberzeugung ist: „Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden."

Und wir?

Es wird deutlich, dass der Fremde, der Andere, derjenige, der nicht Christ ist, uns als Getaufte durch sein Verhalten und seinen Glauben beschämen kann. Ist christliche Glaubenspraxis für uns eine belanglose Routine, Gewohnheit, Tradition? Oder ist der Satz des gläubigen heidnischen Hauptmanns, der Eingang in unsere Liturgie gefunden hat, Ausdruck eines Glaubens, der uns wirklich am Herzen liegt, weil wir Jesus Christus brauchen und nicht ohne ihn leben wollen?

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund!"

Stephan Jung, Pfarrer